Andreaner bei der Deutschen Meisterschaft

Am 03. Mai war es soweit. In seiner ersten Schulschachsaison überhaupt konnte die Mannschaft des Andreas-Gymnasiums bei der Deutschen Meisterschaft in der WK III die Figuren rücken. WK III? Quasi die Altersklasse u15. Wie waren wir da hingekommen? Eigentlich hatte Berlin nur zwei Plätze, die vom Otto-Nagel-Gymnasium und dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium wahrgenommen wurden. Doch Mecklenburg-Vorpommern konnte keinen Vertreter schicken und da im Schach eine ungerade Teilnehmerzahl nicht schön ist, konnte eine Berliner Mannschaft als Gerademacher nachrücken. Das Herder-Gymnasium wollte nicht, so wurde die 4.-beste Berliner Mannschaft gefragt. Und das waren wir. Und wir wollten.
So saßen am 03. Mai also in der großen Aula der Jugendherberge am Ostkreuz Janek (8.2), David (8.1), Jimi (8.2) und Kristian (7.1) an den Brettern. Im Krankheitsfall hatten wir Lara (7.1) dabei, die schonmal für die Mädchenmannschaft üben sollte und am Ersatzspielerturnier teilnahm. Gesetzt waren wir an 17 von 18, hatten also quasi „nix zu verliern“. Die Ansage war klar, nicht Letzter werden und im Idealfall Setzlistenplatz verbessern.

Runde 1 brachte das Friedrich-Dessauer-Gymnasium aus Aschaffenburg. Die Bayern waren uns hochhaus überlegen und lediglich Janek konnte mit einem überraschenden Remis gegen eine 200-DWZ-stärkere Gegnerin die 0 verhindern. Gleiches Bild in Runde 2: Das Ulricianum aus Aurich (das liegt im Norden von Niedersachsen) war deutlich stärker als wir und wieder hielt Janek mit einem Remis gegen einen etwas stärkeren Gegner die totale Klatsch ab. In Runde 3 (noch immer war es der erste Spieltag) kam dann der erste schlagbare Gegner, das Gymnasium an der Hamburger Straße aus Bremen. Die Jungs zeigten, dass sie nicht umsonst da waren, und konnten alle mehr oder weniger überzeugend gewinnen. Mit dem 4:0 ging der erste Spieltag zu Ende. Am Freitag war der erste spannende Moment Davids Verspätung. Man muss wissen, dass bei Deutschen Schulschachmeisterschaften eine Verspätung automatisch die Partie verliert. Doch da wir wegen diverser Ansagen vor der Runde etwas später anfingen, kam er noch mehr oder weniger rechtzeitig – nur um spielfrei zu bekommen. Unser Gegner, die Oberschule zum Dom aus Lübeck, trat nämlich ohne sein 2. Brett an und verlor dort kampflos. Doch die restlichen Bretter erwiesen sich als zu stark und wir kamen nicht über das 1:3 hinaus. Runde 5 versprach wieder ein besseres Ergebnis. Auch das Gymnasium Ottweiler (Saarland) zählte zum Kreise derer, die geschlagen werden sollten. Die Mannschaft hielt sich artig dran und diesmal wurde Kapitän Janek entlastet, der nach Siegen der anderen drei Jungs Kräfte sparte und Remis gegen einen schwächeren Gegner spielen konnte. Damit war der Freitag schon wieder vorbei. Am Samstag sollte es sogar nur eine Runde geben. Wir spielten gegen das Gymnasium Konz (Rheinland-Pfalz). Ein starker Gegner, bei dem mehr hätte drin sein müssen. Kristian konnte gegen eine 1200 gewinnen, obwohl er eigentlich schon klar auf Verlust stand, aber am Ende noch einen kleinen Trick ausgrub, der erfolgreich war. David holte gegen eine 1600 remis. Damit brauchte es noch eines halben Punktes oder sogar eines ganzen. Doch Jimi stellte gleich in der Eröffnung unnötig eine Figur weg (das Brett ist groß), sodass nichts zu holen war und auch Janek schaffte das Wunder gegen eine mittlere 1800 nicht. Schade, nur 1,5, aber immerhin, fast Remis. Blieb noch die letzte Runde am Sonntag. Es wartete das Johannes-Kepler-Gymnasium aus Chemnitz, eine etwas schwächere Mannschaft als am Vortag. Der Plan war: hinten 2 Punkte, vorne mind. ein halber. David hatte es dabei am schwersten, saß der stärkste sächsische Spieler doch an 2. Er verlor dann auch. Von Janek kam überraschend eine 1, erneut in einer sehr starken Partie. Doch hinten wollte es nicht so werden wie erhofft. Jimi konnte seine gute Stellung nicht verwerten und kam über ein Remis nicht hinaus. Da fehlte noch das nötige Werkzeug um richtig anzugreifen. Kristian verlor unnötig und unnötig schnell. Schade, aber es hat nunmal nicht sollen sein.

Die Einzelbetrachtung
Janek nahm seine Aufgaben als Kapitän vorbildlich war. Er bewahrte die Mannschaft zweimal vor 0:4-Klatschen und holte mit 3,5 Punkten von allen Spielern die meisten Punkte. Eine tolle Leistung unsere ersten Brettes, wir können froh sein, dass wir ihn haben.
David hatte es an zwei sehr schwer. Dort trifft man schon noch auf starke Gegner. Von der Spielstärke bei uns ist er Brett 2, doch bei einer Deutschen Meisterschaft hat er dort arg zu knabbern. Sicher hätte er hinten mehr Punkte geholt, doch kommt eine taktische Aufstellung für das fair spielende A-Gym selbstverständlich nicht in Frage. Seine 1,5 Punkte sind dennoch eine gute Leistung und welchen Wert er für die Mannschaft hat, hat er bereits die letzten Jahre bei diversen Turnieren bewiesen. Die 1200-Leistung ist gerechtfertigt.
Jimi spielt sein wohl erstes großes Turnier mit Mitschreiben überhaupt. Im Vergleich mit den (ehemaligen) Vereinsspielern Janek und David merkt man, dass er im Training noch viel grundständiges Werkzeug zu lernen hat. Aber das wird sicher und nächstes Jahr sieht das schon besser aus. Er holt 2,5 Punkte gegen einen 1200er Schnitt und erspielt sich eine 1100er Leistung.
Kristian ist der jüngste und schlägt sich wacker mit. Leider reicht seine Zeit nicht für die Schach-AG, sodass er allein von seinem Talent leben muss. Mit 3 Punkten holt er das zweitbeste Ergebnis unserer vier und schafft knapp die 50%.
Lara spielte das Ersatzspielerturnier mit und ist damit fürs nächste Jahr bestens gewappnet. Sie holt 2 Punkte.

Fazit
In der ersten Schulschachsaison für das Andreas-Gymnasium überhaupt schaffen wir keine Wunder, sind aber auch nicht chancenlos. Am Ende steht einer Verbesserung um 1 Platz. Mit etwas mehr Glück hätte es auch mehr werden können, aber wir haben nun ein Jahr Zeit zur Verbesserung der Spielstärke und wollen nicht mit dem Schicksal hadern. Dass wir überhaupt teilnehmen konnten, war schon eine Supererfahrung und eigentlich haben wir ja nur für das nächste Jahr trainiert, damit wir dann richtig zuschlagen können.

Alle Ergebnisse sind zu finden unter http://www.schachjugend-in-berlin.de/dssm-2018/

Hr. Sill