Exkursion zur Notübernachtung für Obdachlose am Containerbahnhof
Wir hatten mit unserer Klasse 8.1 am Freitag, den 29.5.2006 die Gelegenheit, einen Einblick in eine Obdachlosenunterkunft und Notübernachtung zu erhalten. Sie befindet sich in der Nähe des Ringcenters im Bezirk Lichtenberg, etwas versteckt in einem silberfarbenen Großraumzelt, das von außen betrachtet an einen Zeppelin erinnert. Ich hatte dieses rund-ovale Zelt bereits mehrfach von der S- Bahn aus gesehen und mich immer nach dem Zweck gefragt. Ich hätte nie erwartet, dass es sich um eine Notunterkunft handelt. Bei unserem Besuch war die Unterkunft eigentlich geschlossen, weil sie täglich erst ab 19.30 Uhr öffnet und bereits um 7.30 Uhr am nächsten Morgen wieder schließt. In der Unterkunft gibt es keine Fenster, sondern nur künstliches Licht, dass um 22.30 Uhr aus- und um 5.30 Uhr am nächsten Morgen wieder angeht. Man gelangt in das Zelt nur durch eine Luftschleuse, damit die wärmende Luft nicht entweicht. Nach der Luftschleuse müssen sich die Menschen, die dort übernachten wollen zunächst anmelden und ihre Sachen abgeben, die dann eingeschlossen werden. Dann folgt eine Durchsuchung des Körpers nach Waffen, Drogen, die natürlich dort nicht erlaubt sind. Das ist aber nicht alles- es wird auch nach bereits geöffneten Lebensmitteln gesucht, um sicher zu gehen, dass darin nicht bereits verbotene Substanzen versteckt wurden.
In dem Zelt sieht man neben Tischen, Stühlen und einer kleinen Küche, in der Mahlzeiten gekocht werden können, durch Trennwände abgegrenzte Bereiche, in denen Doppelstockbetten aufgestellt sind. Natürlich gibt es auch extra Schlafbereiche für körperlich behinderte Personen. Es findet auch eine Trennung von Frauen und Männern statt, damit Frauen sich sicherer fühlen. Insgesamt gibt es 70 Betten in der Unterkunft, wovon allerdings nur 12 Schlafplätze für Frauen vorgesehen sind, da es wesentlich mehr männliche obdachlose Personen gibt.


In der Unterkunft gibt es natürlich auch die Möglichkeit, sich zu duschen und die Toilette zu benutzen. Neben der äußeren Pflege, können die Menschen dort aber auch die Gelegenheit in Anspruch nehmen, eine Sozialberatung zu erhalten. Dabei werden Ihnen Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie ihr Leben ändern und aus der Obdachlosigkeit entfliehen können.
Besonders interessant war für mich, dass die Menschen dort nicht einfach so zu der Unterkunft kommen können, sondern nach ihrer Anmeldung die Unterkunft für 10 Tage hintereinander nutzen dürfen und danach für 20 Tage „gesperrt“ sind und sich somit in der Stadt andere Schlafplätze in Unterkünften suchen müssen. Da die Anzahl von Obdachlosen aber stetig steigt, während es nur vereinzelte Unterkünfte gibt, deren finanzielle Unterstützung nicht gesichert ist, wissen die Menschen oft nicht, ob sie am Abend einen sicheren Schlafplatz haben.
Die Unterkunft ist von Spenden und der Arbeit von freiwilligen Helfern abhängig. So liefert die Tafel die Lebensmittel für das Abendessen und am Morgen Bäckerein, die nicht verkaufte Ware zur Verfügung stellen.

Viele der Menschen dort haben psychische Probleme und eine Drogenvergangenheit bzw. sind aktuell süchtig. Sie benötigen also intensive Unterstützung, die sie im Alltag auf der Strasse nur unzureichend erhalten.
Mir hat dieser Ausflug gezeigt, dass man mit offenen Augen durch die Strassen gehen und alle Menschen mit Respekt entgegen treten sollte. Es ist nicht schwer zu helfen, denn man kann leicht ein wenig Essen abgeben, um es anderen zugeben, bevor man es wegwirft, weil man einfach keinen Hunger mehr hat. Ich habe auch gelernt, dass es besser ist, Lebensmittel anstatt Geld zu geben, da dieses zur Finanzierung von Süchten genutzt werden könnte und damit der Weg aus der Obdachlosigkeit nur erschwert werden würde.
(Finn S., 8/1)


